#396 Neuer Reitsport-Aufreger: Herr Kukuk, wir müssen reden!

In Folge 396 des Pferdepodcasts wird es ernst – und emotional. Eine kontrovers diskutierte Szene aus dem Turnier in Verona sorgt aktuell für große Unruhe in der gesamten Reitsportwelt: Olympiasieger Christian Kukuk wurde auf dem Abreiteplatz mit seiner Stute Just Be Gentle gefilmt. Das Video zeigt den Einsatz von Schlaufzügeln und ein Reiten, das viele Zuschauer als deutlich grenzüberschreitend empfinden. Die Empörung ist groß – und das Thema schlägt Wellen bis weit über die Reitsport-Bubble hinaus.


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Was ist passiert?

Auf Social Media verbreitet sich seit Tagen ein Instagram-Video, das die Sequenz zeigt, in der Kukuk seine Stute mehrfach stark einrahmt und mit Schlaufzügeln arbeitet. Für viele Pferdemenschen ist die Grenze zum tierschutzrelevanten Verhalten überschritten.

👉 Hier das Video auf Instagram:
https://www.instagram.com/reel/DQ6c4pGDPsE/?hl=de

Das Thema wurde inzwischen von vielen Medien aufgegriffen – unter anderem im Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

👉 Spiegel-Bericht zum Vorfall:
https://www.spiegel.de/sport/reitsport-eklat-um-christian-kukuk-olympiasieger-aeussert-sich-zum-schlaufzuegel-einsatz-a-789925ed-ccfa-4e2f-a252-16b5a435aa0c

Kukuks Reaktion: Entschuldigung oder Rechtfertigung?

Christian Kukuk äußerte sich kurz nach der massiven öffentlichen Kritik in einem Statement, das bei YouTube zu sehen ist und in dem er seine Sicht schildert. Er spricht von einer stressigen Situation, unglücklichen Momenten – und davon, dass er das Video selbst „nicht schön“ finde. Gleichzeitig wird deutlich: Er sieht sich primär missverstanden.

👉 Hier das Statement als Video:

Im Podcast sprechen Jenny und Chris sehr offen darüber, wie die Szene auf sie wirkt:
– Jenny aus fachlicher Sicht als erfahrene Pferdefrau
– Chris aus der Perspektive eines interessierten Laien

Beide sind sich einig:
👉 So etwas darf auf einem Turnier nicht passieren – erst recht nicht in dieser Professionalität.

Es geht um Verantwortung, um Vorbildwirkung und um faire Ausbildung. Und es geht um die Frage, warum solche Bilder überhaupt erst möglich werden – nicht nur in Verona.


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Weitere Themen der Folge

Trotz des ernsten Einstiegs bleibt die Folge vielfältig – und sehr persönlich.

⭐ Jennys Pferde-Update

AC/DC genießt derzeit ein abwechslungsreiches Wohlfühlprogramm: Ausreiten, Training, Hubi-Termin – jeden Tag etwas anderes.
Benny entwickelt sich weiter zum coolen Geländepony, auch wenn er körperlich noch „ein halbes Hemd“ ist.
Klex profitiert von ruhigen Ausritten und kleinen Schrittrunden.

⭐ Stallweihnacht: Rosa Lichter, Batterien und Glühwein

Wie jedes Jahr eskaliert im Stall die Weihnachtsdeko – liebevoll, bunt und leicht stroboskopisch. Jenny berichtet über die batteriebetriebene Lichterflut, die fast eine Warnlampe à la „Achtung, epileptische Effekte“ verdient hätte.

Warum diese Folge so wichtig ist

Der Fall Kukuk zeigt erneut:
👉 Der Reitsport hat ein Problem – und nicht erst seit gestern.
Transparenz, Aufarbeitung und echte Veränderung sind nötig, damit solche Bilder irgendwann der Vergangenheit angehören.

Jenny bringt es im Podcast deutlich auf den Punkt:
„Es geht einfach nicht – egal, wer im Sattel sitzt.“

Gleichzeitig liefert die Folge aber auch das, was Hörer:innen am Pferdepodcast so schätzen:
Humor, Alltag, echte Pferdegeschichten, reflektierte Diskussionen.


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Hier geht’s zum vollständigen Transkript der Folge:

[0:00] Jenny, selten warst du so quengelig, dass es endlich losgeht. Jetzt wird unser Hund noch in Position gebracht, weil sie ein bisschen unruhig ist. Sie hat so ein bisschen Spannung in sich, hat man so das Gefühl. Unser Hund, genau.

[0:14] Also sie geht einem ein kleines bisschen auch auf die Nerven, muss man sagen. Ich traue mich jetzt ja kaum, ich traue mich kaum die Frage zu stellen, aber könnten bei dem Hund Schlaufzügel in irgendeiner Form weiterhelfen? Kann ich mal probieren. Dass man da mal so die Spannung rauskriegt aus dem Hund. Ja, vielleicht kriege ich das dann hin. Also wäre das vielleicht denkbar. Okay, Hafer und… Also Ironie aus, Sarkasmus aus… Selbst Anzeige auch noch, ich kann mein Handy heute nicht auf stumm stellen, also falls es rappelt, weil ich habe Rufbereitschaft bei mir in der Firma. Das Positive daran ist, die letzte Rufbereitschaft für fünf Jahre, absolut genau, weil treue Hörer wissen, berufliche Wechsel stehen an. Aber was die gute Nachricht ist, sollte die Welt untergehen, man erfährt es im Pferdepodcast als erstes, weil dann werde ich nämlich angerufen. Und sollte zum Beispiel die Spätschicht irgendwie sich nicht fühlen, Magen verdorben oder sowas. Dann gehst du aber erst, wenn du gekocht hast. Und wenn wir den Pferdepodcast aufgenommen haben. Vorher geht schon mal gerade gar nichts, ist schon klar. Haferblues. Das ist der Hafer- und Bananenblues. Das ist das, was jedes Pferd haben muss.

[1:33] Folge 396, die Hölle friert zu. Das habe ich noch nie erlebt, dass wir, also normalerweise bist du vor den Aufnahmen zu unserem Zerde-Podcast immer, los jetzt, mach das Ding an, wir legen los, wir müssen uns nicht vorbereiten. Und jetzt sagst du, ne, warte noch einen Moment, ich muss mal ganz kurz, ich wollte da noch was zitieren. Ich habe gedacht, meine Frau, ein Hologramm, kenne ich sie, hat sich da jemand hier eingeschmuggelt, ein Hologramm? Ja, du weißt schon, was ich meine, so, weißt du, künstliche Welten. Da gibt es mal so einen Film. Ja, aber spielen ein Konzert, sie sind aber gar nicht da, sondern sitzen in Schweden und zählen das Geld, sowas, weißt du? Also dass ich so denke, sie möchte gerne aus sozialen Medien Kommentare zitieren und sagt deshalb, können wir noch ein bisschen warten mit dem Start der Aufnahme. Also das zeigt schon, es ist eine sehr aufgepeitschte Stimmung hier im Pferde-Podcast und du möchtest gerne was besprechen, was dich schon bewegt hat. Und es bewegt mich ja immer Das Thema. Genau. Und das ist jetzt wieder so hochgeploppt. Das geht um…

[2:34] Szenen, die in Social Media zu sehen waren, die im Fernsehen zu sehen waren, wo ein Top-Reiter, ein Olympiasieger sein Pferd so behandelt hat, dass es nicht den Regeln entspricht, wo du auch sagst, es geht gar nicht und du möchtest gerne was dazu sagen und es brennt dir irgendwie so unter den Nägeln und das besprechen wir auch. Und es hat so viele Wellen geschlagen, dass es selbst bei mir auch angekommen ist. Also ich habe mir gestern auch, es gab eine Pressekonferenz zu dem Thema mit dem besagten Olympiasieger und er hat sich dazu geäußert und so. Und ich kann ja aus meiner Laien-Sicht vielleicht auch mal sagen, wie das auf mich gewirkt hat und du würdest dann aus pferdefachfraulicher Sicht was dazu sagen.

[3:16] Und Klammer auf, Klammer zu, wenn man dann hört, was so ein Olympiasieger sagt, wo man dann im Nachhinein sich die Frage stellt, wer hat jetzt eigentlich was falsch gemacht? Genau. Also er oder doch alle anderen? Das Pferd vielleicht. Das hat sich dasselbe angezogen und hat gesagt, also komm, wir reiten heute so. Das Pferd, die dumme Sau. So ist es. So ist es nämlich. Der Hund, Achtung.

[3:37] Dreht sich einmal um. Die Frage ist, legt sie sich wieder hin? Jenny sorgt jetzt dafür. Darüber sprechen wir. Es geht um Christian Kuckuck, den Olympiasieger, Springreiten. Im Moment ist er in Stuttgart bei den German Masters und er ist in aller Munde. Das kann man wohl so sagen. Wir sprechen natürlich über das, was du mit deinen Pferden in dieser Woche gemacht hast. Wir haben schon so ein kleines bisschen in der kleinen Folge darüber gesprochen. Und wir reisen einmal nicht um die halbe Welt, sondern einmal um die ganze Welt in dieser Folge 396. Denn wir führen ein Interview mit jemandem, der in Neuseeland im Moment sich befindet. Und zwar in einem Forschungssemester, denn wir haben bei uns zu Gast Prof. Dr.

[4:25] Dirk Winter von der Hochschule in Nürtingen und er hat sich beschäftigt, bevor er nach Neuseeland in sein Forschungssemester aufgebrochen ist, mit der Frage finanzielle Überforderung von Pferdeleuten. Wie machen die gestiegenen Kosten Pferdemenschen, Pferdebesitzern im Detail zu schaffen? Und was sagen Pferdebesitzer eigentlich selbst? Wann ist dieses viel? Wann kippt das in ein zu viel? Wann schaffe ich es nicht mehr? Wann haue ich die Notbremse rein? Wann fange ich an zu sparen? An welchen Stellen sparen Pferdeleute? Und das sind so Forschungsergebnisse, die sind natürlich auch sehr spannend für alle, die mit diesem Pferde-Thema Geld verdienen. Also das ist ja eine Riesenindustrie, die dahinter hängt. Und es ist schon sehr spannend, mal den Pferdeleuten ins Portemonnaie und aufs Maul zu schauen, wie die mit diesem Thema steigende Kosten umgehen. Du weißt schon, was ich meine.

[5:27] Wie die mit diesem Thema umgehen und welche Schlüsse man daraus ziehen kann. Du hast solche Sorgen ja nicht, ne? Doch, natürlich. Was kostet die Welt? Ein bisschen schon, nein. Ein bisschen. Ich gucke schon. Mit vier Pferden muss man schon gucken, wo man spart.

[5:43] Ich lasse mich nicht zu jedem Zusatz Futter, Mittelchen hier und da hinreißen. Ich kaufe keine Schabracken. Ich habe genug Schabracken und ich kaufe auch kein unsinniges Zeug. Ich achte sehr darauf, wie viel Geld ich ausgebe fürs Futter. Ich will gutes Futter, aber nicht so viel dafür bezahlen. Sehr lobenswert. Ich habe immer gedacht, du sparst ausschließlich sozusagen auf meiner Seite der Weltkugel sozusagen. Auch bei der Stallauswahl. Ich mache alles selber. Also ich könnte hier die Pferde auch in Vollpension stellen. Das kostet aber schon viel Geld. Aber gut, die Arbeit kann ich auch selber machen. Da bist du schon fleißig. Also das muss man schon sagen. Ja, absolut.

[6:24] Auch die Reitanlage, wo ich hinfahre, die ist ein bisschen weiter weg als die, die direkt um die Ecke ist. Die kostet aber dreimal so viel. Also habe ich mich für die entschieden, wo ich fünf Minuten weiterhin fahre und die nicht ganz so groß ist. Da habe ich ja noch gar nicht drüber nachgedacht. Du erscheinst auf einmal in einem viel sympathischeren Licht. Wie viel sympathischer als was? Also noch sympathischer, noch sympathischer als du ohnehin schon bist. Wir lassen jetzt mal, ach so, wo wir auch noch drüber reden können, so als Fußnote, Weihnachten im Stall. Leck mich am Buckel. Da sind wir wieder bei dem Thema gemeinsame Fotomediatheke. Du musst schon selber lachen. Was da bei euch los ist, also da kann man zu dem Schluss kommen, Weihnachten ist kein Spaß. Da wird schon, also Weihnachten ist sehr rosa, wenn man das mal so farblich einsortieren will. Und es ist mit vielen Lichtern verbunden. Auch bei euch. Auch bei euch am Start. Ein Wahnsinn. Wir haben auch schon eine Klühweinecke.

[7:19] Ganz wichtig. Gleich geht’s los. Unseren Manni. Er hat Wunderkerzen in der Hand und er spielt jetzt die Pferdepodcast-Hymne. Unser Orchestermusiker.

[7:50] Jenny, wir fangen ja eigentlich immer traditionell mit deinem Stallleben an, mit dem, was du mit deinen Pferden machst. Du hast in der kleinen Folge schon gesagt, es ist gar nicht so furchtbar aufregend. Im Moment ist ja auch ganz bestimmt so, die Zeit der Turniere ist jetzt so ein kleines bisschen vorbei. Und ich glaube, dass mit dieser Stallweihnacht, da können wir auch relativ schnell einen Haken dran machen. Die Sonja, mit der du da zusammen in dem Stall bist, die ist halt einfach so ein bisschen verrückt und crazy. So kann man das, glaube ich, auf den Punkt bringen. Ja, ich glaube, ich habe noch nie jemanden gesehen, der so ein großes Batterielager hat.

[8:20] Also weil diese ganzen Lichterdinger brauchen ja Batterien, wenn die nicht mit Solar funktionieren und dann haben die auch so eine Zeitschaltuhr, dann wird das genau so getimt, dass das um eine bestimmte Zeit angeht und wieder ausgeht. Und wo man guckt, wenn man im Dunkeln an den Stall kommt, ist es fantastisch. Es sieht total schön aus. Überall sind kleine Lichtchen, überall blinkt es. Manchmal kriegt man so ein bisschen Augenflimmen und Augenzucken, wenn man da hinguckt, wie die ganzen Lichterketten zappeln und zucken und machen und tun. Das ist so wie bei Amazon Prime oder wie bei Netflix, wenn so eine Serie kommt, so irgendwie, Achtung, stroboskopische Effekte in dieser Serie. Wer da empfindlich ist, bitte ein bisschen vorsichtig sein. Das könnte man auch so als Schild bei euch, so als Warntafel bei euch halt in den Stall stellen. Aber es ist so liebevoll gemacht und ich finde es total schön und das gefällt mir auch. Selber würde ich es, glaube ich, nicht machen, aber wenn es da ist, finde ich es auch gut. Absolut, das sieht mega aus. Ich werde auch mal parallel zu der Folge, du hast ja auch dankenswerterweise so Videoschnipsel wieder davon gemacht. Ich werde das mal zusammen basteln und dann kann man sich das auch mal angucken. Und wir freuen uns auch, wenn ihr mal so im Gegenzug schickt, wie sieht es denn bei euch so aus? Weihnachtet schon?

[9:31] Fragezeichen. Immer gerne her damit.

[9:34] Jenny, wenn wir über deine Pferde sprechen, man hat so das Gefühl, ACDC bekommt im Moment so ein Wohlfühl-Abenteuer-Urlaub-Ferienprogramm. Jeden Tag was anderes. Heute ausreiten, morgen der Springlehrgang, habe ich mir richtig gemerkt, oder? Nee, morgen zu Hubi und Ende November ist der Springlehrgang. Alles klar, aber es ist wirklich jeden Tag was anderes und irgendwie der Blonde, also er kann sich gerade nicht beschweren, oder? Es ist so, heute ausreiten. Wenn er alleine mit mir unterwegs ist und dann werde ich dem auch gerecht, dass er so ein bisschen das Gefühl hat, er ist der Wichtigste. Das ist schwierig, allen dreien das Gefühl zu geben, dass nur er der Wichtigste.

[10:14] Jaja, weil die mögen das ja offensichtlich alle ganz gerne und du wirst ja auch nicht müde zu behaupten, dass man das dann im ACDC auch irgendwie sehr genau anmerkt, dass er das genießt und so. Wie war es denn heute? Erzähl doch mal, ihr wolltet in den Wald, aber es ging irgendwie nicht an der Stelle, wo du immer so gerne hingehst und so weiter. Genau, weil da halt die Jäger waren. Die haben sich da versammelt und eben nirgendwo stand, dass heute Jagd ist. Und dann haben wir umgedreht und sind in den benachbarten Ort gefahren. Aber ja, da konnten wir auch nicht in den Wald, weil die Jäger auch da waren. Die waren heute überall die Jäger und dann sind wir so ein bisschen in den Obstwiesen, Weinbergen eine große Runde ausgeritten. Das war trotzdem schön. Wir konnten auch ein Stück traben und haben ein bisschen erzählt und geschwätzt. Und mit Anna ist es ja immer sehr kurzweilig. Sind da auch irgendwelche Überlegungen dahinter so strategisch, das ist jetzt das Training, das und das müssen wir machen oder ist dann so ausreiten auch einfach mal so, also es einfach passieren lassen und also keine Ahnung, so wie wenn man in einem Urlaub jetzt sagen würde, wir machen heute mal einen Strandtag. Eigentlich war es als Training, also als Arschbackentraining geplant, aber da wir ja nicht im Wald den Berg hochtraben konnten, ging es nicht so ganz. Und dann haben wir, ah ja, ist nicht so schlimm, beim nächsten Mal. Aber wir lernen selbst bei so, ich sag jetzt mal, Strandtag, also Strandtag in den Bergen jetzt ja in dem Fall so ein bisschen.

[11:37] Also so einen gewissen Hintergedanken hast du dann schon noch dabei. Also es ist nicht so ganz losgelöst von allem jetzt.

[11:44] Doch, also wenn ich auch zu Hause mal sage, ich gehe jetzt einfach mal eine Schrittrunde ins Geländer, auch wenn ich auf dem Klexi sitze und nehme den Benni als Handpferd mit, das ist dann einfach nur Seele baumeln lassen. Das ist kein Training, das ist ein bisschen bewegen und ein bisschen die Welt angucken, Benni die Welt zeigen, dass der auch so ein bisschen abgehärtet wird, aber dann hat das wirklich kein Ziel, da irgendwelche Muskeln aufzubauen oder so. Hast du das Gefühl, Benny wird cooler? Ich habe mich ja eben gerade wieder, also der Zufall Willis, ich habe mich nochmal mit dieser Geschichte beschäftigt. Benny äppelt im Liegen. Es ist wirklich sehr lustig. Seit ich jetzt weiß, seit ich jetzt auch genau hingeguckt habe, was da wie passiert und auch, dass du sagst, du kennst kein anderes Pferd, das im Liegen äppelt. Ein Wahnsinn. Jetzt mal jenseits von diesem Spleen, den er hat.

[12:36] Gibt es so eine Entwicklung bei ihm, so mit diesem, ich grusel mich, oder ist das irgendwie, oder hast du es auch nicht mehr so, also gab es noch irgendwie andere Erlebnisse dieser Art, wo man sagt, okay, es klappt immer besser, oder wie hat man sich das vorzustellen? Weil wir hatten ja mal eine Phase, wo wir da relativ intensiv drüber gesprochen haben. Also zu Hause ist er sowieso meistens gechillt, also da sieht er zwar mal was, aber dann guckt er dann hin und dann ist er aber relativ schnell wieder entspannt. Und ich war jetzt auch seit Silke nicht mehr woanders. Also das Wetter war gut. Ich kann immer bei uns auf den Platz reiten. Ich muss nicht in die Halle fahren. Und deswegen war ich gar nicht mehr mit ihm unterwegs. Aber ich war mit ihm im Gelände. Und da ist er echt eine coole Socke. Auch alleine. Also ich gehe dann auch die große Runde schon mit ihm ganz alleine. Und das war ja vor einem Jahr, war das so, wenn ich mich so weiter vom Stall wegbewegt habe, dann war er schon sehr, sehr on fire. Und also hier bin ich ganz allein und das geht überhaupt nicht, dann muss ich mich aufregen. Und das wird besser, ja? Und das ist jetzt wirklich schon so am langen Zügel, im Schritt kann ich eine ganz, ganz große Runde mit ihm ausreiten.

[13:41] Das ist wirklich schon ein großer Fortschritt. Und auch wenn irgendwie, wenn er was sieht oder so, ja, da guckt er hin, aber er ist immer kontrolliert. Also er ist nie irgendwie, dass er außer Control oder so ist. Also gar nicht. Er ist unterm Sattel sowieso ein wirklich mega braves Pferd. Ja, das hast du gesagt. Und dann hat er diese Strategie ganz gut angeschlagen mit diesem, wenn ihr auswärts seid, also den Magen beruhigen, Futter mitnehmen. Das hat ja eigentlich auch ganz gut funktioniert und von daher kann man ja fast von sowas wie einer gewissen Basis sprechen, dass die Dinge wirklich gut werden können. Ja, ich weiß schon. Ich stehe uns noch nicht auf dem Turnier nächstes Jahr, sage ich ganz ehrlich. Also ich denke, das braucht einfach noch ein bisschen Zeit und Vertrauen.

[14:26] Also wenn du mich jetzt fragen würdest, ich würde auf gar keinen Fall ihn jetzt mitnehmen auf dem Turnier. Stand jetzt würde ich das auf gar keinen Fall machen, weil ich auch dieses Vertrauen nicht kaputt machen will. Und ganz ehrlich, das Turnier ist nicht so wichtig. Also ich will, dass er da cool ist und dass er da entspannt ist und dass er wirklich auch da so ein kleines bisschen Spaß dran hat. Und nicht jedes Mal komme ich zurück mit dem Pferd, das klapperdünn ist, weil es 30 Kilo abgenommen hat vor lauter Stresskacken. Und das ist es mir nicht wert, mit ihm aufs Turnier zu fahren. Das stimmt und das kann ich auch total gut nachvollziehen. Man hat trotzdem das Gefühl, dass so, auch wenn du darüber sprichst, dass das, also es gibt keine Zweifel, dass ihr irgendwann dahin kommt, das ist zumindest so mein Eindruck, sondern nur, oh ja, es kann sein, dass es noch ein bisschen länger dauert und so. Aber dass das irgendwann gelingen wird, also daran habe ich so den Eindruck zumindest. Also da wäre jetzt Konstanz Wiesner, die Mentaltrainerin, glaube ich, nicht böse mit dir.

[15:30] Ich glaube schon, dass uns das gelingt. Ich weiß nur nicht, ob uns das schon im nächsten Jahr gelingt. Und er ist auch körperlich einfach noch, er sieht immer noch aus wie ein Dreijähriger. Also er ist immer noch nicht so, dass ich sagen kann, er ist stabil und er ist ausbalanciert. Also er ist wirklich ein Spätentwickler und er braucht für alles extrem lange. Er macht das super brav. Also wir sind jetzt auch schon so bei Schenkelweichen im Trab angekommen und so die Übergänge klappen schon ganz gut. Aber nach wie vor ist er noch so ein halbes Hemd. Also er kriegt ganz viel Futter, aber trotzdem das Wachstum und alles, was so in seinem Kopf passiert und er ist den ganzen Tag in Bewegung und mit den anderen und spielen und das kostet natürlich schon auch Energie und diese viele Energie braucht er auch für das Wachstum und deswegen sieht er immer noch aus wie ein Dreijähriger, also er ist immer noch so ein kleines halbes Hemd. Aber es ist auch nicht schlimm. Andere wären da verbissener, glaube ich. Könnte man sich vorstellen. Ja, nutzt ja nichts, wenn das Pferd einfach noch nicht stabil genug ist. Und deswegen, also ob der jetzt fünfjährig oder sechsjährig aufs Turnier geht, das ist, glaube ich, dann auch am Ende des Tages auch egal. Ja, andere wären da wahrscheinlich verbissener. Aber ich habe zwei Turnierpferde. Ich weiß ja, ich kann ja meinen Arsch immer nur auf ein Pferd setzen.

[16:46] Apropos verbissen. Apropos Arsch. Soll ich mal den Themenwechselknopf drücken? Sollen wir uns mal die Schlaufzügel anziehen? Also wollen wir die mal ranschnallen? Mä, mä, mä. Ach, du hast es mir ja schon, also du, eigentlich, als wir die kleine Folge, die wir am Freitag aufgenommen und auch veröffentlicht haben, hast du es mir ja schon erzählt, eigentlich hätte ich da ja gerne noch drüber geredet. Heute ist es sogar in meiner Zeitung angekommen und gestern Abend habe ich gearbeitet in der Nachrichtenredaktion. Im Moment finden ja hier in Stuttgart die German Masters, das heißt es glaube ich, statt. Da startet er auch. Christian Kuckuck, seines Zeichens Olympiasieger, Springreiter, also durchaus so das Beste, was Deutschland so momentan reiterlich zu bieten hat. Also Olympiasieger, Vorbild natürlich, der weiß, wie es geht. Der hat aber gefälligst auch keine Pferde zu quälen. Und er hat sich gefälligst auch an die Regeln zu halten, natürlich.

[17:50] Und also wenn ich das alles so richtig deute und interpretiere, also ich sag mal so, es hilft nicht, ihm zuzuhören, weil dann kriegt man so Zweifel, ob er überhaupt irgendwas falsch gemacht hat. Wahrscheinlich hat das Pferd sich im Stall die Schlaufzügel mal schnell selber angezogen. Aber es ist halt einfach verboten, weil er sagt auch so Sätze wie, wir brauchen klare Regeln, aber alles, was ich so nachgelesen habe, die Regeln sind verboten. Es gibt eine ganz klare Regel, dass ein fester Zügel am Gebiss befestigt sein muss. Genau. Es gibt die Regel. Vielleicht hilf mir doch nochmal ganz kurz, weil als du mir das jetzt Ende der Woche gesagt hattest, was da passiert ist, der hatte also blanke Schlaufzügel benutzt. Das waren, glaube ich, deine Worte. Blanke Schlaufzügel. Ich konnte da erst gar nichts mit anfangen. Unter Rollkur, das war ja auch mal so ein Stichwort, das es glaube ich auch immer noch gibt. Da kann man sich dann sowas darunter vorstellen, wie da wird der Kopf runtergezogen, extrem auf den Hals und Rollkur, fast schon so ein zynisches Wort irgendwie. Unter dem, der hat Schlaufzügel benutzt. Ich wusste damit erst mal gar nichts anzufangen. Vielleicht ist es ja vielleicht doch auch der ein oder andere dabei, der jetzt nicht ganz so inside ist. Erklär mal ganz kurz Schlaufzügel. Was machen die und warum sind sie verboten? Also die Schlaufzügel, das sind Zügel, die man entweder zwischen den Vorderbeinen am Sattelgurt befestigt oder an den beiden Seiten, so wie er das in diesem Fall gemacht hat. Und dann durch den Gebissring zur Reiterhand. Und dann kann ich natürlich.

[19:16] Wenn ich da oben dran ziehe, dann hat es natürlich diese Wirkung, dass der Kopf nach unten gezogen wird. Logisch. Also das ist halt so diese mechanische Wirkung des Schlaufzügels. Also da sind wir wieder bei dem Thema, also es geht dann auch um das Herunterziehen des Kopfes.

[19:35] Und ich habe dieses Video gesehen und habe dann echt so, was macht der denn da? Wer ist das denn überhaupt? Ich habe das gar nicht so, also erst gar nicht erkannt, wer das ist. Ja, war die Fallhöhe gar nicht so klar. Genau. Und dann, ach du Scheiße, der kann ja gar nicht reiten. Und das war wirklich so der erste Moment, wo ist das Video her? Was macht der denn da? Ist das irgend so ein, keine Ahnung. Also ich wusste damit gar nichts anzufangen und als ich dann erstmal näher gelesen habe, das ist Christian Kuckuck und gefilmt in Verona, glaube ich, bei einem internationalen Turnier auf dem Abreiteplatz. Dann stutzt man schon, echt jetzt, auf dem Abreiteplatz ist da kein Steward, der sagt, hallo, könnten Sie bitte, ja, das darf man nicht, was Sie da machen. Man denkt dann ans Europachampionat. Genau, Europachampionat. Ich hatte Stege an meinen Zügeln und musste den Platz verlassen und musste die Stege von meinen, also diese Mattingal-Stege, musste ich entfernen. Ich durfte nicht mit diesen Stegen reiten.

[20:33] Genau, dann dachte ich noch so, okay, echt jetzt, Turnier, weiße Reithose. Also es hat mich erst total verwirrt und dass das auch mit einer Selbstverständlichkeit passiert ist. Also der Ritter so vor sich hin mit einer Selbstverständlichkeit und mit einer Ruhe, also sich null Schuld bewusst und so, wo ich schon auch gestutzt habe und dachte so.

[20:56] Okay, also du musst aber doch wissen, was du da machst und du traust dich tatsächlich auf einem internationalen Turnier mit so einer Ausrüstung auf den Abreiteplatz zu gehen. Und dann muss man diesen Gedanken mal weiterspinnen, dass so ein Christian Kuckuck auf so einem Turnier sich gar nichts dabei denkt, sein Pferd in Turnierkleidung mit Startnummer, mit allem auf plankem Schlaufzügel auf dem Abreiteplatz zu reiten. Also das war für den ja gar nichts Schlimmes. Der hat das mit einer Selbstverständlichkeit gemacht, wo sich bei mir natürlich sofort der Gedanke oder die Frage stellt, was macht der denn zu Hause?

[21:35] Also das war so der erste Gedanke, den ich dann so hatte, wenn das für ihn so selbstverständlich ist, dass er sich null Gedanken darüber macht, dass er hier gegen die Regeln verstößt, dann will ich vielleicht gar nicht wissen, was passiert, wenn er sich Gedanken macht, oh, das könnte vielleicht gegen die Regeln verstoßen. Und zum Zweiten, also auch diese Reiterei, also ich will das Wort in diesem Zusammenhang eigentlich gar nicht benutzen, weil das war nicht reiten. Das, was man auf dem Video gesehen hat, Das bitte nicht reiten nennen, weil das war es nicht. Und dann habe ich mir schon die Frage gestellt, kann dieser Mensch überhaupt reiten? Weiß der, wie das funktioniert?

[22:14] Weiß der, wie das geht? Oder kann der nur über Sprünge springen? Und das Pferd ist halt so pressiert, ausgebildet, dass es halt über Sprünge springt. Aber das, was man in dem Video sieht, das bitte nicht als reiten bezeichnen, weil das war es definitiv nicht.

[22:30] Und man hat sich dann so ein bisschen näher damit beschäftigt und natürlich gab es dann auch ein Statement von Herrn Kuckuck, das mich wirklich sprachlos gemacht hat, weil am Ende des Tages, nach diesem Statement, hatte man wirklich das Gefühl, das Pferd hat den Fehler gemacht, nicht er. Also er hatte das begründet mit, also es hätte ja auch, also das Pferd wäre nachher dann auch durch den Wettcheck gekommen und es wäre überhaupt kein, er wüsste jetzt gar nicht so richtig, Also das wäre ja nichts passiert. Also das war so sein erstes Statement, wo er wirklich so sich gar keiner Schuld bewusst war. Und das fand ich das Schlimme, dass ein Olympiasieger sich keiner Schuld bewusst ist, wenn er auf dem Plankenschlaufzügel auf einem Turnier ein Pferd wirklich in eine Position zwingt, mit dem das Pferd garantiert nicht glücklich ist. Und das ist so, das fährt vergewaltigt und dass dieser Reiter sich dieser Schuld gar nicht bewusst ist, das fand ich am erschreckendsten an diesem Ganzen, an diesem Ganzen, was da passiert ist, weil also alles, was bisher so an Skandalen aufgedeckt wurde, war ja immer noch so, oh ja, die wissen schon, dass sie was tun, was nicht okay ist, aber Herr Kuckuck war sich gar keiner Schuld bewusst, der hat das gar nicht so aufgefasst. Also, was man, also…

[23:49] Der Fairness halber sagen muss, das war ja jetzt in Stuttgart dann, also da ist dann offensichtlich auch ein bisschen das eine Verona, internationaler Staat im Ausland und dann gab es eine Pressekonferenz jetzt in Stuttgart. Der Fairness halber muss man schon sagen, dass er da sich reuig gezeigt hat. Naja, dann hat wahrscheinlich sein Marketingberater aus dem Urlaub zurückgekommen.

[24:11] Okay, man merkt schon, oh. Wer hat ihn geraten zu diesem Statement? Jenny on fire? Das habe ich mich in dem Moment gefragt. Wer hat diesem Mann zu diesem Statement geraten? Also wir halten mal ganz nüchtern fest. Er hat Reue gezeigt und hat gesagt, es war nicht in Ordnung und ich habe das verstanden. Und diese 30 Sekunden spiegeln nicht das wieder, was sonst irgendwie passiert. Aber also ich bin ja bei dir. Da muss ich lachen.

[24:35] Trotzdem muss man festhalten, er hat Reue gezeigt. Also das will ich nur sagen. Das kann man ja auch nicht erstmal wegreden. Jetzt sagst du, er hat keine Wahl. Trotzdem hat er, also er hat es gemacht. Punkt. Also da beißt ja mal die Maus keinen Faden ab. Ich bin aber bei dir, dass man auch dann, was danach gesagt wurde, da war ich so irritiert und da bin, also ich war dann auch irritiert. Ich gebe das ja zu. Also er hat klar gesagt, es war ein Fehler. Ich habe es verstanden. Das hätte nicht passieren dürfen. Das hat er gesagt. Punkt. So. So und aber das Statement war dann noch nicht zu Ende. Er macht dann schon, ich habe hier, es hat es auch in die Zeitung geschafft, die ich, die meine Leib- und Magen-Zeitung ist, dass er dann schon sozusagen auch das Regel wäre. Also einmal kommen dann so Sätze wie man bräuchte klarere Regeln, wo ich auch dachte, naja, eigentlich also die Regeln sind klar und man hört dann aber auch so raus, er stellt die Regeln, die es gibt, auch in Frage. Also da fällt dann zum Beispiel auch so ein Satz, für mich war es die beste Herangehensweise, um die Anspannung aus ihr, das ist eine Stute, aus dem Pferd herauszukriegen. Es sei die falsche Entscheidung gewesen, aber er hat das schon auch ein Stück weit verteidigt, was er da gemacht hat. Ich sage ja, der ist ja mit einer Selbstverständlichkeit auf diesen Abreiteplatz gegangen. Für ihn war das etwas ganz Normales, dass er seine Pferde so reitet. Und es kommt dann auch der Satz, mit dem Ergebnis habe die Stute bewiesen.

[26:03] Zitat, dass sie mir das am Ende verziehen hat, was dargestellt wurde. Also das ist schon auch, man liest es und man kann es kaum glauben. Sein Berater, der ihm rät, so etwas zu äußern, sollte sich überdenken, ob das der richtige Berater ist, den er da hat oder ob er das selber macht. Ich glaube, das macht er. Also Zitat, ganz am Ende, also ganz am Ende jenseits von Ovel kommt es aber auch auf das Gefühl und das Einfühlungsvermögen an. Das geht nicht mit Regeln, so Kuckuck weiter. Für ihn sei es nun von Bedeutung, in solchen Situationen eine andere Herangehensweise zu wählen. Das ist schon sehr widersprüchlich. Das geht nicht mit Regeln, es kommt aufs Einfühlungsvermögen an. Das lässt ja dann sozusagen alle Möglichkeiten offen, solange Herr Kuckuck mit dem richtigen Einfühlungsvermögen da rangeht. Also ich finde das maximal zum Kotzen?

[26:55] Wenn ich das mal so direkt sage, ich finde das wirklich maximal zum Kotzen und ich bin ja sowieso immer so ein kleines bisschen auf Krawall gebürstet, wenn es darum geht, dass die großen Reiter, also egal ob Dressur oder Springen oder erfolgreiche Reiter, das wird alles nicht durch Handauflegen erreicht. Da bin ich 100% davon überzeugt, dass auch ein erfolgreicher großer Reiter nicht nur mit Einfühlungsvermögen und Handauflegen die Pferde so ausbildet, dass sie Ende des Tages mit einer Leichtigkeit durch ein Viereck tanzen oder über 1,40 Meter hohe Sprünge springen. Ich werde gerne vom Gegenteil überzeugt, sehr gerne sogar, aber meine feste Überzeugung ist, dass das nicht funktioniert, weil ich selber weiß, wie schwer es ist, ein Pferd auszubilden. Jetzt habe ich ein Pferd ausgebildet bis zur Klasse M.

[27:53] AC ist jetzt neun Jahre alt. Es gibt neunjährige Pferde, die laufen Grand Prix, die laufen drei Sterne S. Und ich stelle mir immer die Frage, wie kriege ich denn ein so junges Pferd in so einer kurzen Zeit dahin, dass es das schon kann? Diese Frage stelle ich mir immer wieder, wenn ich sehe Jungpferdeprüfung oder auch jetzt Ivest Cup war, glaube ich, auch ein neunjähriges Pferd dabei. Super jung für so eine Prüfung. Und diese Frage stellt sich mir immer wieder. Wie schaffe ich das, in so einer kurzen Zeit ein Pferd so weit auszubilden? Und ich werde ja gern davon überzeugt, dass es mit Einfühlungsvermögen und ganz viel Fairness zum Pferd und, und, und, dass das dann alles funktioniert. Aber ich kann es mir nicht vorstellen, weil ich weiß, wie schwer es ist. Jetzt bin ich kein Profi. Natürlich haben Profis Reiten nochmal ganz anders, gar keine Frage. Und es gibt auch ganz viele Reiter, die das mit Sicherheit viel, viel besser können als ich. Aber trotzdem weise ich um die Schwierigkeit, ein Pferd so auszubilden. Und deswegen tut sich mir immer wieder diese Frage auf. Wie machen die das? Wir müssen die Antwort im Dunkeln lassen. Ich frage ja am Ende immer gerne, was nehmen wir denn jetzt mit davon? Und in dem Fall ist es wirklich so schwer. Ja.

[29:10] Also selbst nach dem, wenn man so will, Schuldeingeständnis und Reue zeigen, geht mir zumindest so, sind da noch so Bemerkungen reingemischt, die bei mir ganz komisch ankommen, wo dann Regeln in Frage gestellt werden, wo die These aufgestellt wird, das geht nicht mit Regeln. Jetzt sagst du gerade, manche Dinge gehen vielleicht tatsächlich nicht mit Regeln oder also gehen nicht, wenn man sich an die Regeln hält. Ich kann das nicht beurteilen. Du sagst, man braucht vielleicht länger Zeit. Also es geht schon, aber dann können die das nicht mit neun Jahren.

[29:44] Bedeutet dann so ein Pauschalverdacht gegen alle neunjährigen Pferde, die drei Sterne S laufen, oder? Also das ist dann so. Ja, und natürlich nehme ich damit den Mund ziemlich voll, aber ich stehe auch dann dazu, dass ich diesen Verdacht äußere, dass das vielleicht nicht immer mit Fairness zum Pferd vonstatten geht. Und ich behaupte das ja nur, ich unterstelle ja niemandem persönlich, dass er das tut, aber ich persönlich glaube nicht daran, dass es nur mit Fairness und nur mit feinem Reiten und nur mit, ich mache immer alles pro Pferd, dass es funktioniert. Ich persönlich glaube nicht daran, vielleicht funktioniert es und mein Horizont ist nur nicht so weit, dass ich mir das vorstellen kann, das mag ja sein, aber auch dieses Statement von diesem Christian Kuckuck lässt ja schon tief blicken. Total. Dass das für so einen erfolgreichen Springreiter überhaupt gar nicht schlimm ist, was er gemacht hat. Und dass er das auch noch verteidigt und sagt, ich muss halt eine Maßnahme wählen, um dieses Pferd, ich sage mal durchlässig und sage nicht gefügig zu machen.

[30:48] Und das war in dem Moment, also das Pferd hat es ihm nicht übel genommen. Naja, es ist ein Pferd und ein Pferd ist ein sehr gutmütiges Wesen. Und das wird natürlich immer das machen, den Weg gehen, wo der wenigste Druck oder der wenigste Widerstand kommt. Die meisten Pferde machen das. Und das macht sich natürlich so ein Reiter absolut zunutze und sagt dann wirklich, mein Pferd hat es mir nicht übel genommen. Also dass er jetzt selber nicht lachen muss über das, was er sagt, hat mich dann auch wiederum gewundert, mit welcher Ernsthaftigkeit er sowas vorträgt.

[31:19] Ja, es hinterlässt tatsächlich ganz viele Fragezeichen.

[31:24] Es ist, also wenn man die Frage stellt, ich mache das ja dann immer gerne hinten raus, was nimmt man mit? Es ist so ein bisschen ein Plädoyer für etwas mehr Gelassenheit und für etwas mehr Zeit, weil Zeit, wenn ich es richtig verstehe, kann dann schon ein Schlüssel sein, weil Zeit, Das Motto unseres Podcasts ist ja, wir begleiten ACDC auf dem Weg hin zu Estressuren. Also das ist ja jetzt nicht so, dass du dieses Ziel Estressuren, dass du das nicht hättest. Natürlich habe ich das Ziel. Aber du lässt dir mehr Zeit. Du verdienst aber auch kein Geld damit, muss man auch fairerweise sagen. Genau, ich verdiene kein Geld damit. Ich muss das nicht erreichen in einer bestimmten Zeit. Natürlich ist da auch ganz viel Geld hintendran bei den Profis. Das verstehe ich ja auch. Aber trotzdem, man macht sich, glaube ich, keine Vorstellung, was es für so ein Pferd bedeutet, mit dem Kopf in so einer Haltung gezwungen zu werden. Und es gibt keinen Ausweg für das Pferd. Ich glaube, dass das sowas ist, was sich jeder Reiter bewusst machen muss. Was tue ich denn meinem Pferd an, wenn ich es in so eine Haltung zwinge?

[32:30] Es hat keine Chance rauszukommen. Und das ist für so ein Pferd maximal erniedrigend und maximal quälend. Und deswegen ist es für mich, was Herr Kuckuck da gemacht hat, ist es für mich ein absolutes No-Go. Also das geht überhaupt nicht. Das geht auch ohne Schlaufzügel, finde ich, das ein absolutes No-Go, das Pferd in so eine Kopf-Hals-Position zu zwingen, runter zu regeln mit Kraft. Und das Pferd hat keine Chance rauszukommen. Also warum möchte ich meinen Sportpartner-Pferd wirklich in so eine Position zwingen, ob ich mich als Reiter dann noch gut fühle? Also ich fühle mich nicht gut, wenn ich das mache und ich versuche auch immer, mein Reiten fair zum Pferd wirklich zu machen. Und natürlich, wir sind alle nur Menschen. Natürlich war ich auch schon ungerecht zu meinen Pferden. Also wenn ich mich da freimachen wollte, würde ich lügen. Das passiert halt auch. Das passiert auch, wenn man trainiert und wenn man ehrgeizig ist, dann passieren einem auch Fehler. Aber das ist so lange nicht schlimm, dass man sich selber bewusst ist, dass man Fehler macht und dass man beim nächsten Mal das einfach anders macht und sich wirklich bewusst macht, ich habe hier die Zügel in der Hand, ich habe eine Kandarre in der Hand und wie gehe ich damit um? Wie gehe ich mit meinem Partnerpferd um? Auch in diese Richtung hat sich Herr Kokogehr geäußert, also auch das muss man ja fairerweise sagen, mal gucken, also ob, ich sag mal so, er hat ja ein Sammelsurium von Aussagen angeboten und.

[33:58] Dich haben jetzt die Aussagen, die man ihm negativ auslegen kann, noch mal besonders getriggert. Das andere war ja aber schon auch dabei. Fehler gemacht, daraus lernen, in Zukunft anders an die Sache herangehen. Ich merke schon an deinem Gesichtsausdruck, du magst es nicht so recht glauben. Auch das hat er aber gesagt. Also ich sage mal so, ich weiß schon, du hast große Zweifel.

[34:22] Trotzdem gehört es zur Fairness, dass man sagt, auch das hat er so geäußert. Und ich war, also okay, ich nehme mit, du bist da nicht sehr hoffnungsfroh, alles klar, ich habe es verstanden, aber trotzdem. Also auch das ist gefallen und das ist jetzt nicht so, dass er sagt, nee, nee, ich sehe das ja gar nicht ein und die Regeln können für alle gelten, aber ich sehe das ja immer ganz anders. Mein Einfühlungsvermögen toppt alles sozusagen.

[34:49] Wir werden sehen. Wie kommen wir hier jetzt raus, genau. Aber also du würdest schon sagen, mehr Zeit hilft. Also wenn man eine längere, das schon, ja, also das, darauf wollte ich jetzt. Es hilft nicht immer nur mehr Zeit. Manche Pferde, ich fand das von Peter damals, als wir mit Peter gesprochen haben, hat der einen sehr schlauen Satz gesagt. Der Ausbilder von Benni, ne? Genau, manche Pferde können es halt nicht und dann ist irgendwo Ende und dann muss man sie auch da lassen, wo sie sind und nicht irgendwo weiter zwingen wollen. Also das fand ich von Peter eine sehr wahre Aussage. Es gibt halt Pferde, die sind nicht für Höheres geboren, die gehen halt mal nur bis zur Adressur. So wie Kleksi nur bis ältere Suhr gehen wird, der wird die Wechsel, zumindest nicht bei mir, wird der die Wechsel nicht mehr lernen. Also ich werde das nicht hinkriegen, dass ich diesem Pferd die Wechsel beibringe. Und dann geht er halt maximal ältere Suhr oder halt gar kein Turnier. Also und das fand ich damals bei Peter wirklich so eine sympathische und wahre Aussage. Die Pferde haben auch irgendwo Grenzen und wenn es halt freiwillig nicht weitergeht, dann geht es freiwillig nicht weiter. Mhm.

[35:53] So ist es. Mal gucken, wie weit AC freiwillig geht. Noch ist er super leistungsbereit und lernt alles mit großem Eifern.

[36:02] Sagt die Nicht-Profi-Reiterin Jenny und jetzt machen wir nochmal kurz Redaktionssitzung live mit Blick auf die Uhr. Wir sind jetzt schon ganz schön lang abquatschen. Wir könnten uns, weil was ja auch blöd ist, ist, dass wenn sozusagen die Hörer so denken, wow, die reden da jetzt schon. Und dann kommt jetzt nochmal ein sehr langes Interview. Wir könnten das Interview auch auf die nächste Woche schieben, uns ein bisschen beschränken. Vielleicht setzen uns dann nicht so eine Hasskappe auf, weißt du, wie wir das heute gemacht haben. Aus gegebenem Anlass, konnte man ja vorher nicht wissen. Absolut. Man muss ja auch manchmal auf das reagieren, was aktuell so passiert in der Reiterwelt. Aber das wäre vielleicht mein Vorschlag. Ja, und auch gerne Meinung der Hörers. Also was meint ihr dazu? Also mich hat das total beschäftigt, getroffen und ganz, ganz vorne dran die Tatsache, dass er mit so einer Selbstverständlichkeit einfach auf diesen Abreiteplatz gegangen ist mit diesen Schlaufzügeln. Und das ist immer wieder der Punkt, über den ich stolpe, dass er sich gar keiner Schuld bewusst war.

[37:10] Also in der Tat, wenn ich weiß, das Reglement lässt das eigentlich gar nicht zu und das weiß ich als Olympiasieger und es dann trotzdem auf einem offiziellen Turnierplatz zu tun, also man steht da schon relativ fassungslos davor und fragt sich, wie geht denn das jetzt? Wenn man ihn jetzt heimlich gefilmt hätte zu Hause, wäre das nochmal was anderes gewesen. Aber dass er genau das auf einem internationalen Turnier tut, das macht einen schon sprachlos. Und kein Steward eingreift, das kommt ja dann auch noch dazu. Das ist noch das Zweite. Tatsächlich wirft das ganz viele Fragen auf. Auch wenn wir jetzt nicht alles einlösen, was wir am Anfang versprochen haben, mit Blick auf die Uhr und so ein bisschen in dem Bemühen, den Pferdepodcast in leicht verdaubaren Portionen darzubieten. Und das war ja heute durchaus auch so Stoff, der vielleicht nicht ganz so leicht verdaubar ist. Wäre mein Vorschlag, wir lassen es für diese Folge 396 gut sein. Wir sparen uns das extrem spannende Gespräch mit Prof. Dr. Dirk Winter auf für die nächste Folge. Und wir bedanken uns fürs Zuhören. Es hat, obwohl es schwere Kost war, viel Spaß gemacht, das mal so in dieser Ausführlichkeit auch zu besprechen. Und wir wünschen eine pferdige Zeit. Macht’s gut. Tschüss.


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