
Deutschland schwitzt bei Temperaturen jenseits der 30 Grad – und viele Pferdemenschen stellen sich dieselbe Frage: Sollte man bei dieser Affenhitze überhaupt noch reiten? In der neuen Folge des Pferdepodcasts sprechen Jenny und Chris darüber, wie sie mit hohen Temperaturen umgehen und warum die Antwort nicht immer so eindeutig ist, wie man denkt.
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An Heustation und Wassertränke wird auch mal geknufft
Jenny verrät, warum sie im Sommer am liebsten frühmorgens im Sattel sitzt und weshalb Pferde mit Wärme oft besser zurechtkommen, als wir Menschen glauben. Gleichzeitig geht es darum, wann Hitze wirklich zum Problem wird, warum schwüles Wetter eine besondere Herausforderung sein kann und weshalb ein geregelter Alltag für viele Pferde wichtiger ist als ein ungeplanter „Hitzefrei“-Tag.
Außerdem gibt es ein Update vom neuen Leben an der Ostsee: Die Pferde gewöhnen sich weiter an ihren Aktivstall und lernen, wie das Zusammenleben in der Herde funktioniert. Besonders Benni zeigt dabei, dass man sich seinen Platz manchmal auch erst erkämpfen muss – vor allem an Heustation und Wassertränke.
Eine Folge über Sommer, Schweiß und die Frage, ob wir bei Hitze oft mehr auf unser eigenes Gefühl hören als auf das unserer Pferde.
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Hier geht’s zum vollständigen Transkript:
[0:16] Hallo, hier ist der Pferde-Podcast Folge 456. Es ist die kleine Folge nach dem Wochenende und wir nehmen sie am Ende eines langen Wochenendes. Ich hätte es fast schon wieder verdrängt, aber es war so toll. Freitagabend, Samstag, Sonntag und heute ist Montagabend und ich bin immer noch an der Ostsee. Und am Dienstagmorgen geht es dann los nach Berlin, also quasi fast mit Erscheinen dieser kleinen Folge bei Steady. Es ist ja so das kleine Lebenszeichen, sind die Pferde, sind alle Beine noch dran. Das sagst du immer, bevor du in den Stall gehst. Ich muss noch mal kurz gucken, ob alle Beine noch dran sind. Und keins blutet. Dauert immer nur drei Stunden, also das ist ja so. Alles wie vorher. Genau, also. Diese Sache mit dem, ein Aktivstall, man muss sich dann gar nicht mehr kümmern, es ist einem mehr, bis jetzt.
[1:12] Die müssen ja auch erstmal so diese Heustation und das alles lernen, das braucht ja Zeit. Darüber sprechen wir übrigens in der großen Folge. Also es gab jetzt, als ich da war, gab es Unterrichtseinheit Futter, wie sagt man, Automat. Heustation, ja. Also da ist ja kein Chip oder so, sondern es ist offen. Also sie müssen sich nicht anmelden mit einem Chip, sondern sie können reingehen und da ist offen. Also es ist offen. Ihr könnt fressen. Aber gefährliche Tore, von denen man nicht weiß, ob sie Pferde verschlucken und so. Und naja, also jedenfalls, es ist kein Selbstläufer, sagen wir mal so. So, Jenny, wir wollten aber eigentlich in dieser kleinen Folge über ein Thema sprechen, das sehr naheliegend ist in diesen Tagen und zwar die Affenhitze in Deutschland. Und das ist ja wirklich sehr drückend. Wir haben auch heute noch gesagt, für die große Folge suchen wir nochmal raus, weil das ist, glaube ich, jetzt wirklich schon Jahre her. Aber unsere, also deine Freundin, meine Bekannte, Esther Rutloff, ihres Zeichens Tierärztin, mit der haben wir mal länger.
[2:20] Darüber gesprochen, wie man das richtig macht, Pferde bei dieser Hitze abzuduschen. Das suche ich raus, werden wir dann in der nächsten großen Folge machen. Aber trotzdem, ich glaube, dieses Thema mit der Hitze ist ja so präsent jetzt in diesen Tagen und es wird ja auch nicht weniger sein. Und Fußnote, auch unter dem Gesichtspunkt Hitze, haben wir mit dem Umzug an die Ostsee alles richtig gemacht, weil hier ist gar nicht so schlimm. Also du hast ja in deiner Wetter-App immer noch die alte Heimat drin und da gibt es gewisse Unterschiede. Da gibt es große Unterschiede, ja. Also ich finde es sehr schön, dass es hier nicht ganz so warm ist, obwohl wir letzte Woche auch einen Tag hatten oder zwei, da war so eine schwüle Wärme. Es war nur 27 Grad, aber das war echt so, man hat sich bewegt und hat geschwitzt und ich hasse es. Ich hasse Sommer. Ich mag lieber den Winter, ich will nicht schwitzen. Ich finde es immer ganz doof, wenn ich schwitze.
[3:19] Und vom Thermometer war es gar nicht so viel. Und dann habe ich mal so geguckt, alte Heimat, wie viele es da waren. Also da war es auch schwüles Wetter, aber 37 Grad hat da die Anzeige gesagt und dann nochmal 10 Grad mehr auf diese Schwüle. Dann habe ich gedacht, bin ich froh, dass ich hier bin. Und jetzt hat der Wind, hat alles weggepustet an Spüle. Jetzt haben wir trockene Wärme, also angenehme, was hat das, 28 Grad heute. Auch selbst wenn es morgen soll es 30 werden, wenn das so eine trockene Hitze ist, finde ich das okay, da habe ich überhaupt gar keine Probleme mit. Ja, jetzt haben wir eben gerade noch zusammen am Meer gesessen. Also nochmal, also da geht dann wirklich noch ein angenehmer Wind und da hat man das überhaupt gar nicht gemerkt, dass es 28 Grad hatte. Also das ist schon cool. Vielleicht können wir diese kleine Folge mal nutzen, wie du persönlich mit dem Thema Hitze umgehst. Also nicht für dich persönlich, aber vielleicht auch, weil ich glaube, es gibt ja auch so Temperaturen, bei denen man als Reiterin sagt, da habe ich keinen Bock zu reiten, aber auch mit Blick auf die Pferde zieht man ja vielleicht in der ein oder anderen Situation oder bei der ein oder anderen Gradzahl, mal so eine Art Notbremse und sagt, okay, jetzt muss es nur wirklich nicht sein, obwohl das vielleicht bei einem jungen, gesunden Pferd gar nicht unbedingt nötig wäre, wenn ich nicht ganz auf dem falschen Dampfer bin. Und mich richtig an das Gespräch mit Esther erinnere, dann …
[4:45] Können Pferde grundsätzlich auch höhere Temperaturen, genauso wie kalte, eigentlich ganz gut vertragen? Aber trotzdem, wenn ich dich richtig verstanden habe, gibt es so Schmerzgrenzen, wo du auch sagst, das muss ich denen nicht antun. Keine Ahnung, dann oder man macht so Einschränkungen. Ich reite dann nicht zu bestimmten Uhrzeiten oder so. Wie gehst du damit um? Also ich reite alleine für mich, wenn es so warm ist, schon ganz gerne morgens. Ich reite generell lieber morgens, weil ich nicht so gut reiten kann, wenn Essen in meinem Bauch rumpurzelt. Und morgens esse ich halt nichts und dann kann ich mit leerem Bauch kann ich immer viel besser reiten. Hat mit der Hitze jetzt nichts zu tun, also generell. Ich reite generell immer morgens, aber natürlich, wenn es jetzt so ganz heiß wird, dann stehe ich auch ein bisschen früher auf und dann, keine Ahnung, um halb acht schon auf dem ersten Pferd sitzen und dann ist man bis um halb zehn durch, bevor es richtig ganz doll warm wird, aber in erster Linie auch für mich.
[5:42] Ich glaube, den Pferden macht es immer gar nicht so viel aus. Ich glaube, dass die das schon ganz gut abkönnen, wie du sagst, ein junges, gesundes Pferd. Klar, der kann auch mal bei 30 Grad Lektionen oder kann auch mal ein Parcours springen oder so. Also den Pferden macht es, glaube ich, gar nicht so viel aus, aber da ist es auch, da kommt es auch darauf an, was es für eine Hitze ist. Also so bei schwüler Hitze schwitzen die Pferde natürlich viel, viel schneller. Und da würde ich auch schon sagen mal, ach, die haben dann heute mal frei. Aber ich glaube, das passiert eher so für den Menschenkopf als fürs Pferd. Ich glaube, dass es dem Pferd gar nicht so doll, also dass denen das eigentlich egal ist, wie warm das ist. Also wenn es jetzt keine 40 Grad hat, aber so alleine so vom Menschenkopf und vom Menschendenken her sagt man dann so, oh nee, wenn das so heiß ist, dann haben die heute frei. Frei haben heißt ja immer nichts tun, sich langweilen und so. Also ich habe so festgestellt, dass die Pferde sehr viel zufriedener sind, wenn sie einen Ablauf haben, wenn sie eine Aufgabe haben, wenn sie auch gefordert werden und wenn sie so ein bisschen körperlich auch gefordert werden. Und dann sind sie insgesamt sehr viel zufriedener und das mit dem Freihaben, vermeide ich, auch wenn es ganz warm ist und wenn es nicht unbedingt sein muss, haben meine Pferde nicht frei. Also auch nicht als Entschuldigung, es ist heute ja 28 Grad, da reite ich nicht.
[6:58] Aber, das hast du ja eben gerade gesagt, auch mit dem Reiten in den Morgenstunden. Ich meine, das hat ja dann primär erstmal bei deiner Denke mit voller Bauch und so nichts mit der Hitze zu tun. Aber natürlich ist es frühmorgens und auch vielleicht dann, wenn es in Richtung Abend geht, ist es nicht mehr ganz so hot und die Temperaturen lassen ein bisschen nach. Ich meine, wir haben ja jetzt nicht die direkte Verbindung mehr, also in dem Sinne, doch wir haben sehr wohl eine direkte Verbindung zu Nadine Reitschule auf dem Berg, die hat da ja auch beruflich mit zu tun. Da kriegen wir jetzt ja angesichts von Temperaturen, die im Schwarzwald in Richtung der 40 Grad marschieren, da hören wir dann ja doch, also nicht, dass Nadine sagt, die Reitschule ist jetzt geschlossen. Die Pferde haben alle Sommerferien hitzefrei. So ist es nicht. Aber selbst da ist dann so ein bisschen, okay, man weicht so bestimmten Uhrzeiten aus, wo so die Peaks sind. Also so kann man ja auch damit umgehen. Und keine Ahnung, die Pferde würden es vielleicht aushalten. Aber das wäre dann so eine Strategie, wo man dann auch dem Menschenkopf irgendwie gerecht werden kann und sich selber so ein bisschen beruhigen kann. Oder indem man sagt, ich reite jetzt nicht in der prallen Mittags-Bullenhitze.
[8:11] Genau, also Nadine macht jetzt glaube ich auch morgens bis um zehn oder so, ich weiß gar nicht genau, auf jeden Fall den Vormittag und dann erst wieder in den Abendstunden, Reitstunden. Also so in der Mittagskluthitze macht sie das glaube ich auch nicht, da sagt sie, das ist zu viel, too much und auch wenn man selber so auf dem Platz steht, es brennt einem ja auch die Sonne aufs Hirn. Und ich kann mich auch erinnern, ich hatte ja da oben schon Dressurlehrgänge gegeben. Im Mai, da stand ich im Regenmantel mit Glühwein, da hat es gehagelt, aber ich stand auch schon in der prallen Hitze bei über 30 Grad mit einem Regenschirm für Schattenspenden. Und da oben ist natürlich wirklich so, wenn die Sonne da ganz am höchsten Punkt ist, mittags um zwölf, dann ist es schon wirklich so ein bisschen wie auf dem Grill. Also und da kann ich auch verstehen, nee, das braucht man nicht unbedingt, dass man dann wirklich da, wenn die Sonne am höchsten steht, dann auch noch reitet und sich körperlich anstrengt. Ich glaube, das ist auch nicht so gesund, auch für den Menschen. Und deswegen kann man dann schon auch so ein bisschen, okay, mit der Siesta ist, glaube ich, eine ganz gute Maßnahme, dass man das nicht in die Mittagsstunden legt, sondern dann so ab Nachmittag 16, 17, 18 Uhr erst wieder anfängt. Ja, am Ende des Tages muss man es dann auch gar nicht auseinanderklabüsern. Mache ich es jetzt eher fürs Pferd, eher für den Menschen, also im Zweifelsfall.
[9:25] Haben dann vielleicht beide so ein bisschen was davon. Jenny, sehr cool. Dann ich würde mal die Aufgabe mit nach Berlin nehmen. Interview mit Esther Rudloff raussuchen, weil dieses Thema Hitze wird uns ja, wir haben in die Wetter-App mal reingelupscht, diese Woche auch noch weiter begleiten. Ich habe geguckt, also nächsten Samstag sind für Berlin jetzt 38 Grad zum Beispiel vorhergesagt. Da bin ich ja dann wieder hier zurück an der Ostsee. Ostsee, also 38 Grad in der Stadt, will man auch nicht so gerne haben. Und dann schauen wir mal. Du hast theoretisch ja Turnierpläne für nächstes Wochenende. Hamburg, weiß man noch nicht so richtig, ob ihr dann schon ausreichend genug im Norden angekommen seid, dass du das machst. Deine Pferde lernen die Futterstation kennen. Sie lernen, sich durchzusetzen. Habe ich heute gesehen. Denn Benni ist huiuiui, also ist ein Nahkämpfer, wenn es um die Wassertränke und so weiter geht, ist das schon ganz interessant. Also man hat so ein bisschen das Gefühl….
[10:31] Also zumindest Benni boxt sich so seinen Platz in der Herde frei, und in der Tat dann ja auch eine interessante Frage, wann so der Punkt erreicht ist, ab dem du dann sagst, okay, jetzt können die theoretisch da sich auch alleine, mit Futter und mit allem Wichtigen in der Herde versorgen. Und sie sind nicht ganz am Ende der Nahrungskette, was ja dann auch durchaus wörtlich zu verstehen ist, dass manche Pferde dann nicht ans Heu kommen, nicht ans Wasser kommen und es dann schon so ein bisschen oder nicht ganz so optimal versorgt sind. Also du achtest da im Moment ja schon noch drauf, dass die so eine Extraportion aus deiner Hand kriegen. Also wirklich nötig, Fragezeichen. Oder auch nur der Menschenkopf. Nee, du machst es schon noch. Und auch aus gutem Grund. Ja, natürlich. Und das muss natürlich auch sein. Na klar, also die brauchen das einfach noch von mir, dass ich sie auch so ein bisschen anleite und mit ihnen in der Heustation stehe. Wer braucht es jetzt mehr, du oder die Pferde? Genau, der Benni hat noch ein bisschen Angst allein in der Heustation und der ist da noch nicht so gechillt. Und der horcht dann immer, ob irgendwie einer kommt. Und wenn sich einer bewegt, dann rennt er schnell wieder raus. Und deswegen muss ich da noch so die nächsten drei, vierundzwanzig Jahre dabei bleiben.
[11:42] Wir bedanken uns sehr fürs Zuhören. Hat Spaß gemacht. Ich werde hier den Verdacht nicht los, dass ich hier manchmal auch ein bisschen veräppelt werde. Du meinst, ich habe dich in das Licht geführt mit, ich habe viel mehr Zeit und ich muss nicht mehr zweimal am Tag zu den Pferden. Also bis jetzt ist es eine glatte Lüge. Also hast mich hinter die sogenannte Fichte geführt. Aber gut. Hinter die Fichte? Das habe ich ja noch nie gehört. Ja doch, jemand. Hinter die Fichte führen. Das muss ich jetzt erst mal ChatGPD fragen, ob es das wirklich gibt. Ja, jemanden hinter die Fichte führen. Also hier sagt man wahrscheinlich hinter die Düne oder so, wahrscheinlich.
[12:17] Vielen Dank fürs Zuhören, hat Spaß gemacht, habt eine pferdige Zeit, haltet durch im Backofen Deutschlands, wo auch immer, wie auch immer. Es ist überall hot und wir hören uns in Richtung Wochenende wieder, vielleicht mit dem ersten Turnierstart im Norden, aber wir wissen es noch nicht so genau. Wegen Wetter. Wegen Wetter, wegen… Wenn es halt 34 Grad hat und spül ist, dann fahren wir nicht aufs Turnier. Wenn es 34 Grad hat und trocken heiß ist, dann fahren wir aufs Turnier. Also, es bleibt spannend. Macht’s gut. Tschüss. Tschüss.
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