#462 Warum jede Reiteinheit ein Ziel braucht

In Folge 462 des Pferdepodcasts greifen Jenny und Chris eine Hörerfrage auf, die viele Reiter beschäftigen dürfte: Wie setzt man sich eigentlich sinnvolle Ziele für eine Trainingseinheit? Statt einfach aufzusteigen und „mal zu schauen, wie es läuft“, plädiert Jenny dafür, jede Einheit mit einer klaren Aufgabe zu beginnen. Denn wer ohne Plan reitet, kann hinterher kaum beurteilen, ob das Training erfolgreich war – und schiebt die Verantwortung schnell dem Pferd zu.


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Beim jungen Benny geht’s eher um Ruhe und Gelassenheit

Anhand ihrer beiden Pferde AC/DC und Benny zeigt Jenny, wie unterschiedlich Trainingsziele aussehen können. Mit AC/DC steht langfristig die Qualifikation für die Haflinger-Europameisterschaft im Fokus. In der einzelnen Reiteinheit geht es jedoch oft nur um ein konkretes Detail – zum Beispiel eine bessere Biegung, feinere Anlehnung oder mehr Durchlässigkeit. Mit gezielten Übergängen und passenden Übungen arbeitet sie genau an diesem einen Schwerpunkt, statt möglichst viele Lektionen abhaken zu wollen.

Bei dem jungen Benny sind die Ziele noch deutlich grundlegender. Hier stehen Losgelassenheit, Vertrauen in die Reiterhand und eine konstante Anlehnung im Mittelpunkt. Erst wenn diese Basis zuverlässig funktioniert, können anspruchsvollere Ausbildungsziele folgen. Die Folge zeigt eindrucksvoll, dass gute Ausbildung immer aus vielen kleinen, erreichbaren Etappen besteht.

Außerdem sprechen Jenny und Chris darüber, warum man sich den schwierigen Situationen im Training bewusst stellen sollte. Wer den Lektionen oder Ecken ausweicht, die Probleme bereiten, nimmt sich die Chance, Routine und Sicherheit zu entwickeln. Der Schlüssel zu erfolgreichem Training liegt deshalb nicht darin, möglichst viel zu machen – sondern konsequent an den Punkten zu arbeiten, die Pferd und Reiter wirklich weiterbringen.


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Hier geht’s zum vollständigen Transkript:

[0:17] Hallo, hier ist der Pferde-Podcast, Folge 462, das ist das Lebenszeichen nach dem Wochenende. Folge 1 nach einer sehr vollgepackten, großen Folge. Und wir sagen ja immer, dass wir in den kleinen Folgen danach uns gerne dann auch mal Zeit nehmen für Zuschriften unserer Hörerinnen und Hörer. Und ich habe es ja fast schon geahnt, dass wir so nach dieser intensiven letzten Folge das ein oder andere Feedback vielleicht bekommen. Wir hatten also eine ganze Reihe von Themen angeschnitten und von daher, es ist ein bisschen was gekommen, das kann ich schon mal sagen, auch zu unterschiedlichen Themen. Und Jenny, wir hatten noch ein bisschen die Qual der Wahl, womit beschäftigen wir uns denn jetzt eigentlich in dieser kleinen Folge, weil die kleine Folge heißt ja kleine Folge, weil sie klein sein soll. Hallo übrigens an die Ostsee.

[1:14] Hallo von der Ostsee. Uns ist die Wahl nicht ganz so leicht gefallen, aber wir haben uns für was entschieden, was so deine Trainingspraxis angeht. Und zwar hattest du ja gesprochen über das Thema Ziele setzen und auch konkrete Ziele setzen im Training. Da ging es um meine philosophische Frage, wer wird eigentlich in so einer Trainingseinheit mehr trainiert, das Pferd oder die Reiterin? Und wie hält man da so die Balance und so weiter? Und ich glaube, deine Quintessenz war erstmal, was ganz wichtig ist, ist, dass man mit konkreten Zielen geht.

[1:54] In so eine Trainingseinheit reingeht, damit man in der Halle auf dem Platz nicht so ziellos durch die Gegend dümpelt, weil dann wird es garantiert nichts. Das war doch, glaube ich, so die Konklusio erstmal, oder? Ja, auch ein Teil davon. Also nicht nur, aber auch ein Teil davon ist.

[2:13] Dass man sich vorher klar macht, was will ich denn heute machen, dass man nicht genau auf dem Pferd sitzt und am Ende dann feststellt, scheiße, der ist heute nicht gut gelaufen. Vielleicht bist du einfach nur planlos geritten.

[2:25] Genau. Und weil dann am Ende, wenn es dann nicht so gut gelaufen ist, das war ja der Ausgangspunkt von unserem Gespräch, dann kommt gerne mal der Satz, heute ist das Pferd ja gar nicht gut gelaufen und so kamen wir dann am Ende des Tages auch zu den Zielen. Und Stichwort Ziele, das ist tatsächlich das, was eine Hörerin konkret beschäftigt hat. Leider hat sie in der Spotify-App, wo man ja unsere Folgen auch kommentieren kann, Input geben kann, leider hat sie da keinen Namen hinterlassen. Aber sei es drum, sie hat eine konkrete Frage gehabt. Und zwar geht es um dieses Stichwort Ziele. Die namenlose Hörerin schreibt, das mit dem Bewusstreiten kenne ich sehr gut. Ich bin früher aufgestiegen und habe Schritt, Trab, Galopp und wieder Schritt gemacht. Und dann hat sie so einen random Smiley dahin gelegt. Weißt du, diese Frau, die so irgendwie die Hände zur Seite streckt und sagt, naja, so war es halt gedankenlos und so weiter. Und sie schreibt jetzt, mittlerweile versuche ich mir vorher ein Ziel zu setzen. Und sie fragt jetzt tatsächlich konkret die Frage, hat Jenny denn da Ideen für Zielsetzungen?

[3:42] Und ich finde die Frage so im Nachgang zu diesem Thema tatsächlich nochmal ganz interessant, weil man kann ja kleine Ziele haben und man kann aber vielleicht auch so das große Ganze immer irgendwie im Blick haben. Was ist sozusagen oder was sind Beispiele für konkrete Zielsetzungen, die dir dann in solchen Trainingseinheiten helfen? Also ich finde die Frage extrem nachvollziehbar, oder?

[4:05] Absolut, ja. Und genau, diese kleinen Ziele, also diese jeden Tag Ziele und natürlich das große Ziel im Auge behalten, gar keine Frage. Aber also jetzt mal am Beispiel von ACDC, es sind unterschiedliche Pferde, auch unterschiedliche Ziele, aber mit ACDC, klar ist das Ziel, nächstes Jahr bei der Europameisterschaft die S-Tour zu reiten. Und dann ist das Mittelziel, ich muss mich dafür qualifizieren und das kurzfristige Ziel ist natürlich das Pferd, also die Lektionen natürlich auch zu üben und dass die sicherer werden, gerade so diese schwierigen Lektionen wie, Serienwechsel, Galopppirouetten und so. Das ist jetzt mal so grob umrissen, meine Ziele mit dem Haflinger. Aber natürlich habe ich in jeder Reiteinheit, also für jede Reiteinheit auch kleine Ziele. Also ich habe zum Beispiel, gestern bin ich AC geritten und dann habe ich wieder gemerkt, der ist so ein bisschen, der lässt sich nicht so gerne biegen und stellen, der weicht mir oft über die Schulter aus, und dann verkannte der sich auch immer mal so ein bisschen und dann merke ich das natürlich beim Reiten und dann war so dieses Ziel heute, ich möchte das Pferd heute machen.

[5:20] Ich möchte, dass der sich biegen und stellen lässt und am kleinen Finger zu reiten ist. Ich möchte nicht, dass der sich auf meine Hand legt, dass der büffelt, sondern ich möchte eine ganz weiche Anlehnung und ich möchte, dass er fein auf mein Bein reagiert und in den Wolken den Schwung behält. Also das ist so, das war so heute das Tagesziel beim Reiten. Also ich wollte jetzt heute nicht, keine Ahnung, Traversalen oder sowas üben, sondern ich wollte wirklich heute an Biegung und Stellung arbeiten.

[5:49] Und dann überlege ich mir natürlich auch, wie mache ich das denn? Welche Lektionen sind dafür denn gut? Und dann hilft natürlich auch immer mal so ein bisschen über den Tellerrand gucken, wie machen das denn andere, mal so ein bisschen googeln oder mal Chat-GPD fragen, was könnte ich für Übungen reiten, wenn man selber nicht so die Idee hat oder die Erfahrung. Also so mache ich das auch manchmal, dass ich vielleicht mir da im Internet oder so nochmal neuen Input hole und dann versuche ich das dann in der Einheit, wirklich auch zu reiten. Und das habe ich dann auch heute zum Beispiel gemacht. Ich habe mein Ziel gesetzt. Ich möchte, dass er auf beiden Händen sich biegen und stellen lässt und durchlässig ist und sich selber trägt. Das Ziel habe ich erreicht in der Reiteinheit heute und das habe ich erreicht mit ganz vielen Übergängen schon zu Beginn. Schritt, Trab, Schritt, Trab, immer aufpassen, dass er mir nicht vorne runterfällt, dass er wirklich die Last hinten aufnimmt und dann die Übergänge, Trab, Galopp, Trab, Galopp. Und dann bin ich dazu übergegangen, so achten zu reiten und wirklich darauf.

[6:52] Fokussiert, dass er an meinem äußeren Bein bleibt, dass ich ihn am äußeren Zügel behalte und dass er sich wirklich in Bewegungsrichtung ganz fein im Genick stellen lässt. Und mit ganz vielen Übergängen, also sowohl auch innerhalb der Gangart als auch Galoppschritt, Galopptrab, habe ich erreicht, dass das Pferd super durchlässig war, mich super hat sitzen lassen. Er ist vorne rangezogen, ich hatte ihn vorm Bein und ich konnte ihn wirklich ganz easy auf acht Meter Wolken galoppieren.

[7:24] Cooles Beispiel, wenn ich es richtig verstehe, für so eine Reiteinheit reicht dann wirklich eigentlich ein vergleichsweise kleines Ziel. Daraus kann man dann natürlich viele konkrete Schritte wiederum ableiten. Du hast es gerade geschildert, wie du dir das da auch so zusammenräuberst, in Anführungszeichen, aus dem Internet. Aber so dieses große übergeordnete Ding spielt da ja dann erstmal keine Rolle, sondern wenn man sozusagen in seinem Koordinatensystem weiß, wo man steht und wo man hin will, dann ist für jede Einheit Tuns eigentlich, also da braucht man keine zwei, drei, vier Ziele, sondern eigentlich so eine handfeste, ehrliche Zielsetzung, die man da mit reinnimmt und auch eine Idee, wie man das vielleicht entwickelt, ist ausreichend, oder? Also ist jetzt kein Hexenwerk oder so. Nein, absolut nicht. Und man merkt ja auch selber beim eigenen Reiten, was funktioniert denn nicht. Also man hat ja ein Gefühl dafür, wo hapert es denn noch? Und natürlich weiß ich auch, ob die Defizite bei AC und ich weiß auch.

[8:26] Dass er manchmal so ein bisschen dagegen büffelt. Und eben genau das ist sein Problem, dass er sich nicht so gerne biegen und stellen lässt, weil das ja auch anstrengend ist. Und ganz anders ist da Benni. Also bei Benni habe ich ja immer dieses Ziel Ruhe. Fallen lassen, an die Hand ziehen. Das ist so dieses kleine Ziel, was ich bei Benni habe. Also da habe ich noch gar nicht so die großen Ziele, sondern der muss erstmal lernen, wirklich vorne ranzuziehen, beständig vorne ranzuziehen. Er hat schon gute Momente, aber er ist noch nicht so beständig in seiner Anlehnung. Also er ist oft noch mal so ein bisschen eng, dann ab und zu hebt er sich immer noch mal raus, geht so ein bisschen gegen die Hand vielleicht, weil ich dann auch eventuell auch mal immer mal wieder ein bisschen grob bin mit der Hand, also ohne, dass ich das absichtlich tue, aber manchmal…

[9:14] Manchmal ist man einfach ein bisschen zu viel dran und das quittiert er mir sofort mit, nee, ich möchte das nicht, dass du da so viel dran bist. Also das sind so kleine Ziele mit Benni, die ich eigentlich in jeder Einheit mit ihm habe. Also da sind die Ziele auch noch nicht so umfangreich, sondern das ist wirklich nur auf das eine Ziel fokussiert. Der muss loslassen und der muss sich vor das Bein kriegen und der muss an meine Hand ziehen. Und dann kann ich erst anfangen, also das mittelfristige Ziel ist dann, dass er sich ein bisschen aufrichtet, dass das Genick ein bisschen höher kommt, und dass er schon so phasenweise lernt, sich selber zu tragen. Aber da sind wir noch ein gutes Stück weit weg, weil er einfach auch noch von seinem Reitalter ist er einfach vielleicht gerade mal vier. Also er ist wirklich weit hinten dran in seiner Entwicklung. Und AC war in Bennys Alter schon elf fertig. Also der ist schon L-Tressur gelaufen und da sind wir mit Benni noch ganz, ganz weit weg.

[10:16] Aber man hört bei dir schon so raus, du bist echt gut in der Lage sozusagen, dir Ziele portionsgerecht hinzulegen, zurechtzulegen sozusagen und danach dann zu handeln. Und das so vielleicht so als der vorletzte Gedanke. Es erfordert ja schon auch so ein bisschen die Bereitschaft, die Situationen zu suchen, von denen man schon weiß, okay, das fällt uns jetzt nicht so ganz leicht. Weil viele Menschen oder manche Menschen sind ja auch so gehekelt, wie ja auch Pferde, dass man sozusagen zu einem Druck oder unangenehmen Situationen, wo man so sagt, doch wenn ich denen aus dem Weg gehen kann, dann gehe ich denen gerne aus dem Weg. Also ein bisschen ist auch die Voraussetzung, dass man manchmal ganz bewusst sagt, okay, das wird jetzt kein Spaziergang, ich gehe es aber trotzdem an. Also die Bereitschaft muss schon da sein, oder? Genau, also.

[11:09] Früher habe ich das zum Beispiel auch gemacht, dann wusste ich, Globus will nicht da an dieser Ecke vorbei, okay, da reite ich da nicht hin. Also das mache ich heute nicht mehr. Also heute sind das so Dinge, wo ich genau weiß, wenn ich jetzt zum Beispiel mit AC eine Volte reite, dann weiß ich genau, okay, wenn ich mich da jetzt nicht drauf konzentriere, dann geht es schief. Aber ich reite es dann trotzdem, weil ich will ja auch diese Routine haben, es gut zu machen. Und diese Routine, es gut zu machen, kriege ich ja nur, wenn ich es auch mache. Und wenn ich diesen Dingen, die nicht so gut klappen, aus dem Weg gehe, dann kriege ich auch keine Routine in den Lektionen, die nicht so gut klappen. Deswegen muss ich es reiten und dann auch fühlen, ist es jetzt gut oder nicht? Oder was könnte ich noch besser machen, dass das Pferd meine Hilfe besser versteht? Und auch, dass das Pferd halt wirklich auch korrekt dann an den Hilfen steht. Ja, du hast ja schon mal gesagt, dass es auch so ein bisschen was mit Fingerspitzengefühl zu tun hat, dass man jetzt nicht in jeder Situation immer alles durchprügeln muss sozusagen. Aber du weißt schon, was ich meine und du hast es ja auch gerade bestätigt, so nach dem Motto, so immer allem aus dem Weg gehen, so kommt man da natürlich auch nicht weiter.

[12:20] Entschuldigung? Geht? Ja, geht. Entschuldigung. Ui, ui, ui. Und das Große und Ganze im Blick zu haben, versteht sich ein Stück weit ein bisschen von selbst, spielt dann aber quasi, in der konkreten Reiteinheit dann nur so mittelbar wahrscheinlich eine Rolle, aber dass man so grundsätzlich so ein bisschen eine Idee davon hat, was sind denn eigentlich so meine Ziele? Aufs Jahr, auf die Saison so gesehen, das ist dann, glaube ich, eher sowas, was man jetzt nicht unbedingt sich auf dem Pferd dann überlegt. Aber im Hinterkopf sollte man das natürlich auch haben, weil sich davon dann die konkreten Geschichten immer jeweils ableiten. Ja cool, also ich hoffe, also ich könnte mir vorstellen, dass das vielleicht der Hörerin weiterhilft. Du hast ja auch ganz praktische Beispiele genannt und man kann sich glaube ich auch vorstellen, welche anderen Beispiele es dann noch so geben könnte. Das ist ja, gerade wenn man jetzt so Essdressuren im Sinn hat, gibt es da wahrscheinlich, also es wird wahrscheinlich noch viele Beispiele geben, was du konkret trainieren willst, so in den nächsten Monaten, jeden Tag und immer wieder. Und aber ich glaube, man hat so eine Idee davon bekommen, wie du das machst. Vielen Dank. Ja, das hoffe ich doch. voll cool.

[13:42] Dann, wir sind ein bisschen im Stress in diesen Tagen und müssen mal gucken, ob wir das, wie wir das, nee, nicht ob, ob ist ja eigentlich nie eine Frage, aber wie wir das dann so im Detail machen mit dem Aufnehmen von den Sendungen, weil wir unsere unsere Schwarzwald Zelte jetzt dann so final abreißen und wir sind viel am hin und herfahren durch Deutschland. Es sind immer weite Strecken und so, aber wir werden es gebacken kriegen. In diesem Sinne bedanken wir uns fürs Zuhören. Hat mal wieder Spaß gemacht, die kleine Folge. Und wir hören uns in Richtung Wochenende wieder. Bis dahin. Tschüss. Tschüss.


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