Interview mit Tierärztin Dr. Rudloff: Wie „Dry Needling“ verspannte Pferde wieder fit macht

Foto: Dr. Ester Rudloff

In Folge 37 des Pferdepodcasts treffen wir Tierärztin Dr. Ester Rudloff aus dem Schwarzwald wieder. Wir sprechen mit ihr über eine noch recht neue und eher unbekannte Behandlungsmethode für Pferde mit muskulären Problemen: Dry Needling.

Dabei bietet Ester Rudloff die Behandlungsmethode nicht nur selbst an, sondern bildet Interessierte mit entsprechender Vorbildung auch aus. Nähere Informationen dazu gibt es hier.

Das Interview:

Ester, was verbirgt sich hinter „Dry Needling“ und wie funktioniert es?

Das sogenannte Dry Needling nach Schachinger ist eine Trägerpunkttherapie für Pferde und Hunde – vor allem aber für Pferde. Deren Ziel ist es, Pferde mit verspannter Muskulatur, vor allen Dingen verspannter Rückenmuskulatur, wieder zu entspannen und dadurch einen schmerzfreien und natürlichen Bewegungsablauf wiederherzustellen. Die Dry Needling Therapie verfolgt hier also ähnliche Ziele wie die Osteopathie oder auch Chiropraxis.

In dem Wort „Needling“ steckt ja schon der Begriff der Nadel drin. Es wird also mit Akkupunktur-Nadeln gearbeitet, aber Du sagst, es hat mit Akkupunktur eigentlich nichts zu tun…

Genau. Die einzige Gemeinsamkeit mit der Akkupunktur ist eben, dass Akkupunktur-Nadeln verwendet werden. Aber die Zielsetzung ist eine ganz andere. Bei der Akkupunktur geht es grob gesagt um die Freischaltung von Meridianen, um den Energiefluss in diesen Leitbahnen, den Meridianen. Beim Dry Needling geht es darum, Trägerpunkte – das sind knotige Verspannungen in der Muskulatur -, mit Hilfe dieser Nadeln zu lösen.


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Für welche Pferde kommt das konkret in Frage? Bei welchen Symptomen kann diese Therapie helfen?

Grundsätzlich ist es für alle Pferde geeignet – egal ob Freizeitpferd, Sportpferd, Springpferd oder Fahrpferd. Und zwar dann, wenn man merkt, dass das Pferd nicht mehr so rittig ist oder es sich widerwillig verhält unterm Reiter. Wenn es zum Beispiel ausschlägt oder buckelt und man kann sich dieses Phänomen nicht erklären, dann ist es oft so, dass eine Muskelverspannung vorliegt und dann ist es sinnvoll, danach auch mal schauen zu lassen.

Und wenn mein Pferd zum Beispiel verletzt war und längere Zeit nur einseitig belastet hat – dann ist das auch eine Möglichkeit, Verspannungen zu lösen?

Ja genau. Zum Beispiel nach langen Lahmheiten oder auch in der Rekonvaleszenz-Zeit etwa nach Sehnenschäden kann man diesen Heilungsprozess unterstützen, denn insbesondere Sehnen sind mit der Muskulatur verbunden beziehungsweise Verlängerungen der Muskulatur, und wenn man die dazugehörige Muskulatur entspannt, kann man den Heilungsprozess beschleunigen.


Dr. Ester Rudloff


Und wie lange dauert so eine Therapie? Wie viele Behandlungen sind nötig? Gibt es da Faustformeln?

Sehr häufig ist es so, dass eine einmalige Behandlung schon für sehr lange Zeit ausreicht. Der Grund ist, dass sich die Trägerpunkte wirklich nachhaltig lösen. Das ist der Unterschied zu anderen physiotherapeutischen Behandlungsmethoden. Man geht direkt in den Trägerpunkt hinein, löst die Muskelverspannungen und dann bleibt dies erstmal gelöst. Oft ist es so, dass ein Pferd nur einmal behandelt werden muss – und dann eine ganze Weile nicht mehr.


Du würdest dem Pferdepodcast gerne finanziell etwas Gutes tun? Das musst Du nicht. Nein, wirklich nicht. Du willst uns trotzdem gerne ein paar Euro zustecken, weil es ja auch technische Kosten gibt und Du magst unseren Podcast halt einfach gut leiden und wir sollen uns jetzt mal nicht so anstellen? Also gut, dann mach mal. Hier:


Menschen wollen auch immer wissen: Wie viel kostet eine solche Behandlung. Kann man das pauschal beantworten?

Es ist nicht so teuer wie man vielleicht denken mag, aber es richtet sich auch ein bisschen nach der tierärztlichen Gebührenordnung. Letztendlich wird das individuell festgelegt: Eine Rolle spielen hier auch der Zeitaufwand und der generelle Aufwand, wie lange man braucht. Das ist vor Tier zu Tier unterschiedlich.

Nun bist Du eine klassische Tiermedizinerin, und oft haben ausgebildete Ärzte gewisse Vorbehalte gegen Behandlungsmethoden, die nicht zur reinen Schulmedizin gehören. In diesem Fall bietest Du eine solche Behandlungsmethode sogar selbst an…

Das ist natürlich einmal eine Frage der Offenheit der Tierärzte. Das andere ist, dass diese Methode tatsächlich wissenschaftlich fundiert ist. Die Begründerin der Methode, Andras Schachinger, kommt selbst aus dem wissenschaftlichen Sektor und hat diese Methode mit Kliniken und der Universität in Utrecht zusammen für Pferde entwickelt. Mir ist einfach wichtig, dass das nicht irgendeine Spinnerei ist, sondern das eben auf einer ganz fundierten und seriösen Basis fußt. Das ist bei Dree Needling der Fall. Und das ist der Unterschied zur Scharlatanerie. Es gibt leider viele selbsternannte Heiler, und da muss man vorsichtig sein.

Nun bietest Du konkret die Behandlung an – aber Du lehrst die Methode auch…

Genau, ich biete zum einen die Behandlung an. Zum anderen bin ich auch Ausbilderin für diese Methode. Dabei bilden wir in unserem Ausbildungsinstitut nur bereits vorgebildete Menschen aus, also Tierärzte, Physiotherapeuten, Osteopathen oder Chiropraktiker mit einem Vorwissen. Der Grund ist, dass wir der Meinung sind, man greift dort wirklich in den Muskelstoffwechsel ein, und man muss sehr genau wissen, was man tut. Man muss die physiologischen Kenntnisse haben, man muss die anatomischen Kenntnisse haben, und das kann man nicht in einem Wochenendseminar lernen. Insofern ist es auch wichtig, wenn man sich dafür interessiert, zu schauen, wo der entsprechende Therapeut die Ausbildung gemacht hat.

Vielen Dank für das Gespräch.


Außerdem beschäftigen wir uns in Folge 37 des Pferdepodcasts noch mal mit dem Thema Hängertraining. Jenny erzählt, wie sie AC/DC dazu gebracht hat, gesittet aus dem Hänger auszusteigen. Mit allgemeinen Tricks und Kniffen fürs Hängertraining hatten wir uns bereits in Folge 5 („Western von gestern“) beschäftigt.

Last but not least: Herzlichen Glückwunsch an Pferdepodcast-Hörerin Rebecca. Sie hat bei unserer Verlosung gewonnen und bekommt das Buch unserer kleinen Russell-Hündin „Loulous Life“. Interessant: Rebecca betreibt selbst einen Blog für Reiter im Internet. Schaut doch mal rein.


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